Zukunftsforum

Aus SchulbuchWiki
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Zweck des SchulbuchWikis

Zweck des Wikis soll sein, Lehrmaterialien und - wenn es klappt - am Ende auch offizielle Schulbücher, die für den Unterricht an öffentlichen Schulen zugelassen sind, zu erstellen. Damit soll folgendes erreicht werden:

Lehrer entlasten

Durch Austausch und/oder gemeinsames Erstellen von Unterrichtsvorbereitungen können Lehrer verschiedener Schulen gegenseitig von Ihrer Arbeit profitieren. Ein öffentlicher Austausch von auf konventionellen Lehrbüchern basierenden Vorbereitungen, ist derzeit nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich, da dies in der Regel das Copyright an den Schulbüchern verletzen würde.

Gute Vorbereitung kann die Präsenz vor der Klasse - den härtesten Teil des Berufs - etwas erleichtern. Von Verhältnissen wie beim Pisasieger Finnland - zwei Lehrer betreuen eine Klasse mit zwanzig Schüler - kann man in Deutschland - ein Lehrer betreut 30 Schüler - nur träumen. Nach einer Diskussion mit einer Mutter, die gerade von Finnland nach Deutschland zurückgekehrt war, wurde das auf einem Elterntreffen in etwa so zusammengefasst.

Weitere Nutzungen des Lehrstoffs ermöglichen

Einen in einem Schulbuch enthaltenen Stoff kann man häufig noch in anderer Weise sinnvoll nutzen. Man kann z.B. dazu passende Karteikarten mit Lernstoff, Lernprogramme oder -spiele, Übungsblätter, Schulaufgaben, Extemporalien u.ä. erstellen und der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Dies ist bei konventionellen Schulbüchern nur möglich, wenn der Copyrightinhaber, also in der Regel der Verlag, der das Schulbuch herausgibt, diese Verwertung erlaubt. Bei der Erteilung dieser Erlaubnis scheinen die Verlage aus wirtschaftlichen Gründen sehr restriktiv zu handeln.

Verbessern der Verfügbarkeit von Lehrmaterialien

Es kann viele Gründe geben, dass Schulbücher oder andere Lehrmaterialien fehlen: An Auslandsschulen kann die Beschaffung schwierig sein, die Bücher können vergriffen sein etc. Für den Druck von frei verfügbaren Lehrmaterialien gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten: Vom Ausdrucken einzelner Seiten am heimischen PC über Kopierer an Schule oder in Copyshops bis hin zum Drucken von größeren Auflagen in Druckereien, die sich die Druckvorlagen einfach aus dem Internet herunterladen könnten. Das Kopieren herkömmlichen Schulbücher dagegen wäre wohl auch dann ein strafbarer Verstoß gegen das Copyright, wenn der Schulbuchverlag keine Neuauflage der Bücher plant (z.B. wegen Übergang von G9 auf G8). Offenbar aus Copyrightgründen kann man z.B. die Lesetexte sowie die Aufgabenstellungen für Orientierungsarbeiten der Grundschule nur in den Schulen selbst, nicht aber im Internet einsehen.

Anpassen der Schulbücher an individuelle Bedürfnisse

Beispiele:

- Manche Schüler, z.B. Legastheniker, würden im Unterricht mit in großer Schrift gedruckten Lehrmaterialien besser zurecht kommen.

- Als Mittel gegen zu schwere Schulranzen speziell der jungen Schüler könnten von den Schulbüchern nur die in einem überschaubaren Zeitraum benötigten Teile gedruckt werden statt Bücher mit dem Stoff für ein ganzes Schuljahr. Statt schweren Schulbüchern bräuchten die Kleinen dann nur leichte, kleine Heftchen mitzunehmen.

Aktuellere Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen

Kosten senken?

Ob damit die Kosten der Schulbücher gesenkt werden können, ist nicht ohne weiteres klar. Dafür würde sprechen, dass es mehr Konkurrenten gibt, die die Bücher herstellen können (im Prinzip jede Druckerei statt nur der eine Verlag als Copyright-Inhaber). Dagegen sprechen die individuellen Anpassungsmöglichkeiten, die den Kostenvorteil wieder zunichte machen können (das Ausdrucken eines Schulbuchs am heimischen PC dürfte möglicherweise teurer sein als es zu kaufen). Als pdf in einem PDA oder Laptop müssen die Dokumente aber nicht mal ausgedruckt werden.

Siehe auch

Die englischsprachige Seite Why OER? im Wiki von OER Commons enthält Argumente für den Einsatz von Open Educational Resouces.

Die Zukunft der Schulbücher wird auf einigen Blogs diskutiert:

Mirjam Bretschneider, Jöran Muuß-Merholz und Felix Schaumburg erstellten im Auftrag des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory das Whitepaper zu Grundlagen, Akteuren und Entwicklungsstand "Open Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland" (Stand März 2012)

Das Kapitel Schulbücher im ZUM-Wiki enthält einen Abschnitt, der auf eine in diesem Wiki enthaltene Diskussion offener Bildungsinhalte verweist. Die dort angegeben Links OER und freie Bildungsmedien führen auf dieselbe Seite.

Das Vorgehen

Die nächsten Schritte

Bis dieses System so weit ist, dass man Lehrbücher daraus herunterladen kann, ist wohl noch ein weiter Weg.

Erste Schritte in diese Richtung könnten sein: Sammeln von Links zu nützlichen Informationen für Lehrer und Schüler, geordnet nach Schularten, Klassenstufen, etc. wie oben vorgeschlagen. Weitere Links würden dann zu Material führen, das zu dem jeweiligen Lehrplan passt - ich weiß, dass es eine Reihe von engagierten Lehrern gibt, die bereits eine Menge Material erarbeitet und zur Verfügung gestellt haben.

Material kann auch direkt eingestellt werden. Beteiligen kann sich daran jeder: Lehrer, die geeignete Teile ihrer Unterrichtsvorbereitung zur Verfügung stellen, Schüler oder Eltern, die über passendes Material verfügen oder andere Leute, die Wissen und Ideen zu relevanten Teilen beisteuern können. Das braucht nicht immer ein kompletter Beitrag zu sein, auch Verbesserungen und Ergänzungen sind hilfreich.

Unausgegorenes:

Geschäftsmodell

Noch nicht so ausgegoren sind andere Aspekte: Für den Erfolg der Idee wäre es förderlich, wenn man für einzelne Aufgaben, z.B. für die Pflege des Systems und Softwareanpassungen, Geld ausgeben könnte. Dafür müsste geklärt werden, welche Rechtsform dazu geeignet wäre und woher das Geld kommen kann. Als Sponsoren kämen Nutznießer des Systems in Frage: Staatliche Stellen, Städte und Gemeinden, die mit dem System möglicherweise Geld für Schulbücher sparen könnten, Druckereien und Copyshops, für die das eine neue Einnahmequelle werden könnte und auch Eltern, die von dem neuartigen Konzept der Schulbücher profitieren.

Versteckte Kosten der konventionellen Urheberrechtspraxis

Die Finanzierung von Schulbüchern erfolgt üblicherweise über die Verwertung der Rechte an den Inhalten. Das heisst, der Verlag, der ein Schulbuch herausbringt, bestimmt, was mit dem Inhalt des Schulbuchs geschehen darf. Um ihre Einnahmen nicht zu gefährden, habe die Verlage meist ein Interesse daran, die Nutzung der Inhalte nur im jeweils engstmöglichen Rahmen zu gestatten, wie beispielsweise die Diskussion um den sogenannten "Schultrojaner" zeigt.

Die Einhaltung der von den Verlagen geforderten Nutzungsbedingungen verursacht neben dem reinen Kaufpreis weitere Kosten. Diese entstehen dadurch, dass Lehrkräfte verschiedene sinnvolle Arbeitstechniken aus rechtlichen Gründen nicht anwenden dürfen. Quantifiziert und bilanziert werden diese Kosten anscheinend nicht, weshalb sie hier als "versteckte Kosten" bezeichnet werden. Gibt es beispielsweise seriöse Abschätzungen darüber, welchen zusätzlichen Arbeitsaufwand der Verzicht auf die Verwendung digitaler Kopien im Schulbereich verursacht, was diese Arbeitsstunden kosten, wie sich das auf die Unterrichtsqualität auswirkt, und welche finanzielle Auswirkungen das wiederum hat?

Wie diese Kosten zustandekommen, kann man sehen, wenn man die Seite Wortschatzarbeit mit Vokabeltrainern unter diesem Gesichtspunkt ansieht:

Da tippen die Schüler den Wortschatz ihrer Lehrbücher in ihr Lernprogramm ein, der Lehrer verbringt (vermutlich) Stunden damit, diese Einträge zu korrigieren. Das Spiel wiederholt sich jedes Schuljahr, für jede Klasse und mit vielen Lehrern an verschieden Schulen.

Prinzipiell gäbe es eine einfache Lösung, den diesen Aufwand drastisch zu reduzieren: Die Vokabeln werden nur einmal eingetippt und dann im Internet veröffentlicht. Mögliche Fehler werden auch gleich da korrigiert. Wie dieses Verfahren funktioniert, kann man bei der Wikipedia beobachten.

Nach dem gegenwärtigen (5.5.2008) Wissenstand des Autors ist der Haken daran, dass man mit diesem Vorgehen strafbar machen würde, weil es die Urheberrechte der Schulbuchverlage verletzt. Zwar könnten die Rechteinhaber diese Nutzung zulassen, es ist aber wohl nicht zu erwarten, dass man eine entsprechende Einwilligung erhält (vgl. z.B. http://www.vokabeltrainer-online.net/Vokabellisten.htm). Auch die beim VdS Bildungsmedien e.V. veröffentlichte Pressemitteilung vom 23.6.2009 scheint in die Richtung zu deuten, dass die Schulbuchverlage im Interesse ihrer Umsätze an möglichst restriktiven Urheberrechtsregelungen interessiert und alternativen Ansätzen, wie z.B. Open Access, gegenüber wenig aufgeschlossen sind.

Da die Arbeitszeit der Lehrer pauschal bezahlt wird, werden für derartige Arbeiten nirgendwo Kosten in Rechnung gestellt. Das heißt natürlich nicht, dass diese Kosten nicht in irgendeiner Form letztlich über Steuergelder bezahlt werden. Eine Vorstellung von der Höhe dieser Kosten vermittelt vielleicht die Idee, die verschwendete Arbeitszeit der Lehrer müsste man wie Handwerker- oder Ingenieursstunden bezahlen. Konkretere Daten finden man in der Veröffentlichung "Ausgaben je Schüler/-in 2009" des Statistischen Bundesamts. Die Methodik, nach der diese Zahlen ermittelt wurden, ist beschrieben in "Methodik zur Gewinnung der Kennzahl „Ausgaben öffentlicher Schulen je Schülerin und Schüler“".

Es gibt möglicherweise noch einige andere Stellen, an denen im bayerischen Schulsystem Geld eingesetzt wird, das an anderer Stelle sinnvoller verwendet werden könnte. Leider geht aus dem Artikel, zu dem hier verlinkt wird, nicht hervor, wie die 280 Millionen Euro im Schuljahr 2006/2007 zustandekommen.

Öffentliche Finanzierung von Open Source Schulbüchern

Mit Schulbüchern, die auf offenen Lizenzen (GNU FDL, Creative Commons u.ä) beruhen, wäre die beschriebene Lösung machbar, und ein Bruchteil der eingesparten Kosten dürfte reichen, um den Betrieb des dazu benötigten Wikis inkl. Personalkosten zu finanzieren. Daher wird in einzelnen Ländern begonnen, öffentliche Mittel zum Erstellen von Open Source Schulbücher einzusetzen. Speziell in den Kalifornien gibt es bereits eine Reihe von den schulischen Standards entsprechenden Schulbüchern, die kostenlos online zugänglich sind. Näheres dazu siehe Allgemeine Informationen#USA und Polen.

Korea

In Südkorea sollen offenbar bis zum Jahr 2015 alle Schulbücher in digitaler Form vorliegen. Quellen:

Norwegen

Im weiter unten genannten Beitrag des des Deutschlandradios wird erwähnt, dass in Norwegen der OER-Einsatz an Schulen bereits praktiziert würde. Genaueres müsste noch recherchiert werden.

Polen

In Polen hat man offenbar die Vorteile von Schulbüchern unter freien Lizenzen erkannt und will dort Schulbücher unter Creative Commons Lizenz veröffentlichen. Näheres kann man dem Bericht vom 21. April 2012 "Polen veröffentlicht Schulbücher unter Creative Commons Lizenz" beim Hyperland-Blog des ZDF entnehmen, zu dem es auch 30 Diskussioneinträge gibt. Einige weitere Links zu diesem Thema:

USA

Ähnliche Überlegungen klingen an in der Sendung "B5 aktuell - Das Computermagazin", die am 05.06.2011 um 16:35 unter dem Titel "Hacker-Angriff auf Lockheed-Martin" ausgestrahlt wurde. Sie enthielt einen Beitrag von Christian Schiffer(?), der von"'Open Educational Resources': Lehr-Material nach Wikipedia-Vorbild" handelte. Dort wurde u.a. erwähnt, dass man in den USA dieses Problem anscheinend erkannt habe und die Regierung Obama daher 2 Milliarden Dollar in die Entwicklung offener Educational Ressources stecken möchte (vgl. http://www.netzpolitik.org/2011/usa-investieren-2-mrd-in-open-education/). Das Know-How der Schulbuchverlage würde z.B. zur Qualitätssicherung benötigt, allerdings würde deren gegenwärtiges Geschäftsmodell - Finanzierung über die Verwertung der Rechte - nicht mehr funktionieren. Auf der Webseite des Bayerischen Rundfunks scheint der Beitrag inzwischen nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

Weitere Ansätze für Geschäftsmodelle

Ein gängiges Modell, wie die Arbeit an Webseiten finanziert wird, sind Reklameeinblendungen. Wie das praktisch aussieht, kann man sehen, wenn man sich ein Video, in dem eine Aufgabe zum Kreisausschnitt erklärt wird, ansieht. Zu Beginn des Videos erscheinen gelegentlich Reklameeinblendungen von einigen Sekunden Dauer.

Möglicherweise kann man einige Ideen übernehmen von den Geschäftsmodellen, nach danen freie Software produziert wird. Darüber kann man nachlesen in dem Buch Economic aspects and business models of Free Software von Amadeu Albós Raya, Lluís Bru Martínez und Irene Fernández Monsalve. Dieses kann direkt von der Webseite der Free Technology Academy heruntergeladen werden. Derzeit (29.3.2010) existiert allerdings nur nur eine vorläufige Version.

Die von der nef (the new economics foundation) herausgegebene Publikation A Bit Rich: Calculating the real value to society of different professions (englisch) vergleicht die Einkommen von sechs verschiedenen Berufen mit den geschaffenen Werten. Die Arbeit ist inspiriert von der Idee des SROI (Social Return on Investment), bei dem im Gegensatz zum üblicherweise verwendeten ROI auch soziale Folgekosten und Konsequenzen für die Umwelt berücksichtigt werden. Die Ergebnisse im Überblick:

City Banker               7      vernichtete bezogen auf geschaffene Werte
Nursery Worker          7 .. 9,5 geschaffenener Wert bezogen auf Bezahlung
Advertising Executive     11,5   vernichtete bezogen auf geschaffene Werte
Hospital Cleaner          10     geschaffenener Wert bezogen auf Bezahlung
Tax Accountant            47     vernichtete bezogen auf geschaffene Werte
Waste Recycling Worker 11 .. 12  geschaffenener Wert bezogen auf Bezahlung

Wie diese Zahlen ermittelt wurden, ist in der Publikation erklärt. Diese will die verbreitete Annahme, es bestünde eine direkte Beziehung zwischen hohem Einkommen und geschaffenenen Werten, in Frage stellen. Diese Foundation berechnet auch den Happy Planet Index, von dem man verschiedene Versionen als PDF-Dateien herunterladen kann.

Den Zusammenhang von Bildung und Ökonomie untersucht der Artikel von Marc Piopiunik und Ludger Wößmann "Volkswirtschaftliche Folgekosten unzureichender Bildung: Eine makroökonomische Projektion". Dieser basiert auf der vom der Bertelsmann-Stiftung unterstützten Studie derselben Autoren "Was unzureichende Bildung kostet" (vgl. Pressemitteilung v. 26.11.2009).

Eine Untersuchung der OEDC kommt zu dem Ergebnis, dass sich Investitionen in Bildung in der Regel sowohl für die betroffene Einzelperson als auch für die Gesellschaft rechnen. Dies kann man nachlesen im Abschnitt "Indicator A8: WHAT ARE THE INCENTIVES TO INVEST IN EDUCATION?" im Bericht "Education at a Glance 2010", den man zusammen mit anderen Materialien auf einer Seite der OECD findet. Eine deutsche Zusammenfassung findet man bei einer Pressemeldung der Kultusministerkonferenz. Man findet diese Zusammenfassung auch beim Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Um einen sicheren Surfraum zu schaffen und dem Mangel an guten Webseiten für Kinder abzuhelfen wurde die die Initiative "Ein Netz für Kinder" ins Leben gerufen. Der Bundesbeauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und das Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) fördern entsprechende Projekte, weil oft Geschäftsmodelle fehlen, die geeignet sind, gute Angebote für Kinder zu finanzieren. Im Fall des SchulbuchWiki erwies sich dieses Förderprogramm als kontraproduktiv: Der Versuch, etwas Geld dafür zu erhalten, dass man die bereits geförderten Projekte mit Hilfe des SchulbuchWikis systematisch mit dazu passenden Unterrichtsinhalten verknüpft, scheiterte. Durch die aufwendige Antragstellung wurden Ressourcen blockiert, die dann für eine inhaltliche Arbeit am SchulbuchWiki nicht mehr zur Verfügung standen.

Politik

Der politische Rückenwind könnte darin bestehen, dass man für Lehrer Anreize schafft, ihre Vorbereitungen in das System einzustellen. Außerdem braucht man juristische Hilfe, um einerseits sicherzustellen, dass die existierenden Rechte von Verlagen nicht verletzt werden, andererseits mögliche Autoren nicht durch Drohungen mit Urheberrechtsklagen abgeschreckt werden, Lernmaterialien zur Verfügung zu stellen.

U.U. wäre es möglich, über die Verwendung freie Lizenzen (vgl. Lizensierung) eine Konkurrenz zu dem etablierten Verfahren der Finanzierung von Schulbücher zu schaffen. Dazu eine stark verkürzte Darstellung des üblichen Verfahrens: Die Verlage übernehmen die Kosten und Risiken für die Entwicklung neuer Schulbücher und erhalten über das Copyright eine Art Lizenz zum Gelddrucken (das an sich immaterielle Gut "Geld" verdankt seinen Wert ganz wesentlich den erheblichen Anstrengungen zur Durchsetzung des diesbezüglichen Copyrights ;-), und hoffen, dass Ihre Währung möglichst viele Abnehmer findet. Mit den freien Lizenzen wäre ein grundsätzlich anderes Geschäftsmodell möglich: Es werden Aufträge für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien vergeben, die dann per freier Lizenz der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Damit würde ein Widerspruch aufgelöst, der dem gegenwärtigen Verfahren inhärent ist: Es liegt im Interesse der Allgemeinheit, dass der Zugang zu Bildungsmaterialien möglichst einfach ist. Andererseits können sich Schulbuchverlage nur dadurch finanzieren, dass Sie genau diesen Zugang via Copyright begrenzen.

Dazu gibt es eine Analogie bei der Verkehrsinfrastruktur: Die meisten Menschen benutzen Straßen und Brücken ohne für deren Nutzung zu bezahlen. Das führt aber nicht dazu, dass Bau und Unterhalt von Straßen per Ehrenamt von Idealisten erledigt wird: Man hat Verfahren eingeführt, über die Arbeiten an der Infrastruktur vergütet werden, ohne dass es dazu nötig ist, an jeder Grundstückgrenze ein Mauthäuschen aufzustellen, bei dem die Gebühren für die Nutzung des jeweiligen Straßenabschnitts kassiert werden.

Ansätze in diese Richtung gibt es bereits:

Weil es als vorbildlich gilt und man davon möglicherweise etwas in Deutschland ebenfalls umsetzen könnte, hier ein Link zu einem Artikel in der Wikipedia, der das Bildungssystem in Finnland beschreibt.

Zum Schulsystem in Schweden gibt es ebenfalls einen Artikel in der Wikipedia. Die Frage, ob das Schulsystem in Schweden ein Vorbild für Deutschland ist, wird auf auf einem Blog des Hermann-Vöchting-Gymnasium Blomberg diskutiert. Eine Darstellung dieses Schulsystems aus schwedischer Sicht von Mats Ekholm aus dem Jahr 2003 findet man bei der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule Nordrhein-Westfalen e.V.. Beim Ganztagsschulverband findet man einen Bericht über eine Studienreise nach Göteborg, die das Ziel hatte, das schwedische Schulsystem kennenzulernen.

Eine Kurzzusammenfassung der Ergebnisse der PISA-Studie 2006 findet man über die PISA-Seiten der OECD.

Auf der Webpräsenz des Bunds demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler / BdWi findet man die Folien eines Vortrags von Cornelia Heintze, "Ressourcenbereitstellung für ein zukunftsfähiges Bildungssystem - Ein Vergleich mit Skandinavien", einem Kurzbeitrag zur Tagung "Wirtschaftskrise und Zukunft öffentlicher Bildung und Wissenschaft" am 27. Juni 2009 in Berlin. Diese Folien enthalten statistisches Material über die Verhältnisse in skandinavischen Ländern, die entsprechenden Daten aus Deutschland gegenübergestellt werden.

Im Zusammenhang mit der Aufregung um den "Schultrojaner" (mehr dazu auf der gleichnamigen Seite der Wikiversity) wurde mehrfach die Idee offener Schulbücher angesprochen:

Zulassungsverfahren

Last but not least wird bei den entsprechenden staatlichen Stellen die Bereitschaft benötigt, einem auf diese Weise entstandenem Werk auch die Zulassung für den Unterrichtsgebrauch zu erteilen, wenn es den dazu nötigen Reifegrad erreicht hat. Da sich das Werk laufend ändert, müsste sich eine Genehmigung auf einen "eingefrorenen" Stand beziehen.

Für Bayern findet man die Kriterien der Zulassung und Listen zugelassener Lehrbücher auf einer Seite des Kultusministeriums.

Lizensierung

Die "GNU Free Documentation License 1.2", unter der der Inhalt dieses Wikis steht, ist möglicherweise nicht die optimale Lizenz für den Zweck, den das SchulbuchWiki verfolgt. Diese Lizenz fordert z.B., dass der der Lizenztext bei Druckversionen beigefügt sein muss, was aber z.B. dann nicht praktikabel ist, wenn man kleine Heftchen oder gar einzelne Übungsblätter vervielfältigen möchte - das meiste Papier würde dann für den Abdruck des Lizenztexts verschwendet. Eine Creative Commons Lizenz scheint angemessener zu sein, wobei diese im allgemeinen Namensnennung und Weitergabe zu gleichen Bedingungen fordern, aber auch kommerzielle Nutzung zulassen sollte. Am ehesten dürfte daher die Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland passen. (Siehe dazu auch den "Fall des Monats" 11/07, einen Beitrag zu den Creative Commons Lizenzen auf Lehrer Online) Kommerzielle Nutzung wäre z.B. dann gegeben, wenn ein Verlag Übungsblätter vertreiben möchte, die im SchulbuchWiki zu finden sind. Klarheit darüber, wie das Vorgehen genau aussehen soll, besteht derzeit noch nicht. Das gilt speziell auch für den Fall, dass Material das hier etwa unter einer Creative Commons Lizenz gesammelt wird, in Wikibooks verwendet wird, um daraus die fertigen Bücher zu erstellen. Das wäre wegen der besseren auf das Erstellen von Buchfassungen ausgerichteten Struktur von Wikibooks zwar sinnvoll, wirft aber ungeklärte lizenzrechtliche Fragen auf. Näheres zu der Problematik findet man unter dem englischen Eintrag zur Multilizensierung oder dem ebenfalls englischsprachigen Artikel zur gemeinsamen Verwendung der GFDL und Creative Commons Lizenz. Es gibt eine Reihe von Argumenten dafür, die kommerzielle Nutzung freier Inhalte zuzulassen.

Die Free Software Foundation, Creative Commons, die Wikimedia Foundation und andere arbeiteten längere Zeit an einer neuen Lizenz, mit der sich die genannten Probleme besser lösen lassen. Zu dem Thema gibt es auch eine Seite mit Fragen und Antworten. Als Ergebnis davon wurde die Wikipedia auf die Creative Commons Attribution/Share-Alike License umgestellt. Eine entsprechende Umstellung ist auch für das SchulbuchWiki vorgesehen.

Anmerkung: Es gibt eine Reihe von Webseiten, die Materialien unter einer Creative Commons Lizenz anbieten, die eine kommerzielle Nutzung oder das Verändern der Inhalte verbieten. Dahinter steckt möglicherweise die Befürchtung der Autoren, dass sich Dritte ihrer Arbeit bemächtigen, sich damit eine "goldene Nase" verdienen und sie sogar Geld für den Zugang zu Ihren eigenen Werken bezahlen müssen. Dass diese Furcht nicht ganz unberechtigt ist, zeigt der Umgang mit den Lehrplänen in Nordrhein-Westfalen. Die jeweiligen Ministerien in Bayern und Baden-Württemberg haben auf eine diesbezüglich Anfrage im Januar 2008 schriftlich bestätigt, dass die Lehrpläne als amtliche Werke nach § 5 Absatz 1 oder 2 des Urheberrechtsgesetzes keinen urheberrechtlichen Schutz genießen. Das gilt im Prinzip auch in Nordrhein-Westfalen. Dort war im Jahr 2009 die Situation offenbar so, dass die Gestaltung der Lehrpläne einem Verlag überlassen wurde, der dafür Urheberrechtsansprüche geltend machen kann. Das wirkt sich so aus, als ob das Urheberrecht an den Lehrplänen bei diesem Verlag läge, weil man ja in der Regel die Lehrpläne nicht ohne die damit verbundene Gestaltung kopiert.

Die Verwendung einer Lizenz, welche eine kommerzielle Nutzung oder das Verändern des jeweiligen Werks verbietet, schüttet allerdings das Kind mit dem Bade aus: Die Verwendung dieser Lizenzen ist so restriktiv, das jedenfalls für diejenigen, welche diese Bedingungen respektieren, eine sinnvolle Nutzung solcher Werke kaum möglich ist. Für den vermutlich intendierten Zweck stellen die Creative Commons Lizenzen das Merkmal "share alike" zur Verfügung. Wenn man das ohne die genannten Restriktionen verwendet, darf das Material geändert und auch kommerziell genutzt werden, allerdings unter der Bedingung, dass abgeleitete Werke unter einer gleichwertigen Lizenz stehen müssen. Das verhindert, dass die Bäume finanziell "in den Himmel" wachsen: Sollte sich herausstellen, dass man mit einem Inhalt gute Geschäfte machen kann, wird das Konkurrenten auf den Plan rufen, die sich mit einer geringeren Marge zufrieden geben, und die man jedenfalls nicht über eine Berufung auf des Copyright aussperren kann - jedes abgeleitete Werk muss eben unter denselben Bedingungen veröffentlicht werden, und steht damit auch der Konkurrenz zur Verfügung. So würden Marktmechanismen für faire Preise sorgen, und ein Vorgehen wie in Nordrhein-Westfalen wäre nicht möglich.

Links zu weiteren Informationen dazu wurden schon in den vorhergehenden Absätzen angegeben, hier noch ein paar weitere:

Ideen für Software, die das Erstellen von Schulbüchern unterstützt

Aufbereitung für den Druck

Ein Tool wird benötigt, um den zu einem Schuljahr gehörenden Stoff auf der Basis des Stoffverteilungsplans für ein Schulbuch auszuwählen und für den Druck, z.B. als PDF-Datei, aufzubereiten. Das könnte auch so aufgebaut sein, dass man eine Version des Stoffs für Genehmigungszwecke "einfrieren" kann, damit er nach dem Durchlaufen eines Genehmigungsverfahrens zu offiziellem Lehrstoff werden kann.

Links zu Diskussionen der Möglichkeiten, Druckausgaben herzustellen, z.B. als PDF-Datei:

  • Die Wikimedia-Foundation scheint daran zu Arbeiten, dass man Bücher mit den Inhalten der Wikis erstellen kann. Derzeit (3.12.2008) scheint das Vorhaben im Beta-Stadium zu sein und es sollen offenbar PDF-, OpenDocument- und DocBook-Formate unterstützt werden, sodass die erzeugten Dokumente auch mit geeigneten Textprogrammen nachbearbeitet werden können. Einige Links zu diesem Thema:
  • Druckausgaben bei Wikibooks. Ein Link auf dieser Seite führt auf eine Diskussion über das Angebot des M-V-Verlags.
  • Die Artikel der Wikipedia (möglicherweise auch von Wikibooks, Wikistudy etc) kann man über einen PDF-Generator im PDF-Format erhalten. Dazu braucht man nur den Namen des Artikels in eine Dialogbox einzugeben und spezifizieren, in welcher Wikipedia (deutsch, englisch...) er zu finden ist. Der dazu benötigte php-Code ist öffentlich zugänglich. Eine archivierte Diskussion zud diesem Thema siehe PDF-Generator bei Wikipedia.
  • Es gibt ein LateX-Plugin und ein Wiki dazu. In dem Wiki werden weitere Alternativen für Druckausgaben im Punkt "Visions" diskutiert. Erläuterungen zu LaTeX findet man in der Wikipedia.
  • Der Benutzer:Schmidt2 pflegt bei Wikibooks eine LinksammlungPDF, in der er Verweise auf Informationen zum Erstellen von Druckversionen aus Wikiseiten zusammenstellt.

Mit Hilfe der Möglichkeiten von CSS-Stylesheets, hat man auch mit HTML die Möglichkeit, das Drucklayout genau festzulegen. Diese Technik kann man auch in Wikitexten verwenden. Näheres findet man z.B. im Abschnitt Layouts für Printmedien von Selfhtml. Dieses Vorgehen hat allerdings zwei Nachteile:

  • Man muss eine komplexe Auszeichnungssprache lernen.
  • Es ist nicht klar, wie gut diese Möglichkeiten bei den unterschiedlichen Browsern funktionieren.

Vor dem Ausdrucken kommt die Gestaltung. Die Seitengestaltung ist bei Wikis, die auf der WikiMedia-Software basieren, schwierig, weil ein Wysiwyg-Editor fehlt. Möglicherweise könnte man dem abhelfen, indem man diese Software mit einem Wysiwyg-Editor kombiniert, z.B. mit TinyMCE oder ähnlichen Editoren. Vielleicht hat das schon jemand probiert und weiß, ob das geht.

Unterstützung der Stoffplanung

Zusammenstellung des Stoffs nach Unterrichteinheiten (Schulstunden) für die Unterrichtsvorbereitung. Per Software könnte man aus Stundenplan, Schulaufgabenterminen und allgemeinem Stoffverteilungsplan einen für ein Schuljahr spezifischen Unterrichtsplan erstellen, an dem man u.a. sehen kann, ob man mit dem Stoff in der Zeit liegt.

Erstellen von Vokabellisten aus Texten

Wenn Übungstexte in elektronischer Form vorliegen und, z.B. durch einen Stoffverteilungsplan, eine Reihenfolge festgelegt ist, in der diese durchgenommen werden, könnte man mit einer geeignetetn Software die Liste der in dem jeweiligen Übungstext neu vorkommenden Wörter herausfinden. Diese Listen könnten dann gleich in dazu passende Vokabeltrainer übernommen werden.

Lernsoftware und Vokabeltrainer

Weil das Thema Lernsoftware so umfangreich ist, gibt's dafür eine eigene Seite.

Sonstige mögliche Software.

Siehe auch

In Finnland gibt es eine Forschungsgruppe, die an LeMill arbeitet, einer Software für gemeinsam erstellte Bildungsresourcen.

Eine Software, die anscheinend ähnlich wie die Wikimedia funktioniert, aber auf Lerninhalte zugeschnitten zu sein scheint ist Moodle. Man kan eine kurze Einführung finden, die erklärt, was Moodle ist. Die Software eignet sich offenbar für den Einsatz in Schulen.

Um "Lernen im Prozess der Arbeit" geht es bei der E-Learning Baltics (eLBa 2008), einer Konferenz und Messe für technologiegestütztes Lernen, die 17.-19. Juni 2008 in Rostock an der Ostsee stattfindet. Vermutlich spielen da Schulen und Schulbücher kaum eine Rolle, aber es wäre denkbar, dass dort Dinge vorgestellt werden, die auch für Schulen relevant sind.

Die Forschungsgruppe EduMedia bei Salzburg Research beschäftigt sich (u.a.) mit innovativen Bildungstechnologien für den Schulunterricht.

Mit Schulbuchforschung befasst sich das Georg-Eckert-Institut. Am Lehrstuhl für germanistische Linguistik (Prof. Kirsten Adamzik) der Universität Genf gibt es ein Forschungsprojekt, das sich mit Schulbüchern beschäftigt, das Schulbuchprojekt. Man sammelt dort u.a. alte Schulbücher. Die Internationale Gesellschaft für historische und systematische Schulbuchforschung e.V. erforscht ebenfalls Schulbücher.

An der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd wird an einem Lehrerportal gearbeitet.